Eine herrliche Zierde unserer Bergwiesen bilden im Juli die schönen goldgelben Blüten des Wohlverleihs, dessen lateinischer Name Arnica vielleicht der gebräuchlichere ist. So sehr der Name Wohlverleih die Deutung nahelegt und auch verdient, so hat das Wort seiner Entstehung nach noch nicht das geringste zu tun mit "Wohl" und "verleihen". Es ist vielmehr aus der volksmäßigen Umbedeutung von Wolvisgelegera entstanden, einem Namen, den die Arnika bei der hl. Hildegard führt, die im 12. Jahrhundert lebte und wegen ihrer Gelehrsamkeit berühmt war. Sein erster Bestandteil ist unzweifelhaft "Wolf", während der zweite von den Sprachgelehrten noch nicht aufgeklärt werden konnte.
Die Blüten haben Ähnlichkeit mit denen der sehr bekannten Ringelblume (Calendula officinalis) und werden in der Sprache der Kinder "kleine Sonnen" genannt. Im Elsass heißen sie "Sonnenwirbel", in der Schweiz "Sonnäblüemi".
In der Tat, wie Abbilder des großen Himmelslichtes schimmern die goldenen Blütensterne in dem gründen Wiesenteppich. Etwa zwanzig zungenförmige Randblüten bilden den wagerecht ausgebreiteten Strahlenkranz, jede an der Spitze mit drei Zähnchen versehen. Der untere Teil bildet eine kurze Röhre und birgt den Stempel nebst verkümmerten Staubgefäßen, die ihren eigentlichen Zweck zu erfüllen untauglich sind. Die Mitte des Blütensternes ist von einer Menge kleiner Blütchen eingenommen, die bis obenhin röhrenförmig sind und sich nur in ihrem fünfteiligen Saume ein wenig ausbreiten. Es sind echte Zwitterblüten, d.h. sie enthalten beide wesentlichen Blütenteile, Staubgefäße und Stempel, vollständig ausgebildet. So ist das, was uns als eine Blume erscheint, eine dichte Häufung vieler Blütchen, die zusammengehalten werden von einer gemeinsamen grünen Hülle. Diese ist glockenförmig und aus einer doppelten Reihe gleichlanger, schmaler Blättchen gebildet. Die Scheibenblütchen erschließen sich nicht alle auf einmal. Sie erblühen von außen nach innen, so dass die mittleren noch zugeschlossen sind, wenn die den Strahlenblüten zunächst stehenden ihre Aufgabe schon erfüllt haben.
Die Bestäubung wird durch Insekten besorgt, zu deren Anlockung vorwiegend die großen Randblüten dienen, die deshalb auch nicht eher abfallen, als bis alle Scheibenblütchen verblüht sind. Zupft man alle Blüten aus, so bemerkt man deutlich den purpurnen Rand der grünen Hüllblättchen. Die weißliche Fläche, die dann in der Mitte zum Vorschein kommt, ist der Blütenboden. Er ist ein wenig gewölbt und läßt die Befestigungsstellen der Blütchen in Gestalt vieler kleiner Grübchen erkennen, deren Ränder zart gewimpert sind. Ein Haarkranz, der sich am Grunde jedes Blütchens vorfindet, vertritt die Stelle des Kelches. Wenn die gelben Blüten abgefallen sind, so sind diese Haarbüschel deutlich sichtbar und verleihen der Pflanze Ähnlichkeit mit den Samenköpfchen des Löwenzahns, deren sich die Kinder so gern bedienen, um "Lichterausblasen" zu spielen. Der Haarkranz oder die Federkrone steht auf dem Fruchtknoten und dient der ausgebildeten Frucht als Flügel, der sie zum Spiel des Windes macht.
Die Früchtchen sind dunkelbraun, länglich und fünfkantig. Der Blütenstengel erhebt sich aus einer Blattrosette, die aus eirunden, fünfnervigen Blättern gebildet ist. Ihr Rand ist nicht eingeschnitten. An der oberen Seite sind sie gleich dem Stengel mit kurzen Haaren bedeckt; die untere Fläche ist kahl. Am Blütenstiele finden sich gewöhnlich noch zwei Blätterpaare, die aber ihrer Kleinheit wegen nicht sehr in die Augen fallen. Die beiden unteren Stengelblätter stehen einander genau gegenüber; die oberen sind meist nicht ganz gegenständig und stehen so, dass sie mit dem unteren Paar sich kreuzen. Manchmal entsprießen aus diesen Blattwinkeln kürzere Blütenstengel, und so findet man nicht nur einblütige, sondern auch dreiblütige Arnikapflanzen. Die Blattrosette treibt aus einem Wurzelstocke hervor, der walzenrund ist und schräg in den Boden hinabsteigt. Er ist etwa fingerlang und fingerdick und unten mit Wurzeln besetzt. Dass er nicht selbst die Wurzel ist, erkennt man an den schwarzen Resten früherer Blattscheiden; denn eine Wurzel im botanischen Sinn trägt niemals Blätter.
Während die oberirdischen Teile der Pflanze absterben, erhält der Wurzelstock während des Winteres ihr Leben und ermöglicht die Hervortreibung nuer Sprossen im Frühling. Der Wurzelstock ist auswendig braunrot, innen weiß. Er hat einen bitteren, scharf gewürzhaften Geschmack und einen starken und widrigen Geruch. Zerstoßen erregt er heftiges Niesen.
Sehr berüht ist die Arnikatinktur. Sie wird auf folgende Weise bereitet: "Man gießt in eine reine Glasflasche zwanzig Teile starken Weingeist und vermischt ihn mit 1 Teil frisch gepulverter Arnikawurzel. Die Flasche verschließt man sorgfältig mit einem neuen Korke und läßt sie sechs Tage an einem kühlen Orte stehen, wobei man acht darauf hat, dass sie nicht von den Sonnenstrahlen getroffen wird. Nach dieser Zeit wird die Flüssigkeit durch ein reines leinenes Tuch filtriert, gut verkorkt und zum Gebrauch sorgfältig aufgehoben."
Mit Wasser stark verdünnte Arnikatinktur ist ein vorzügliches Heilmittel bei Verwundungen und Quetschungen. man befeuchtet Leinwand mit der heilsamen Flüssigkeit und umhüllt das leidende Glied damit. Sobald die Leinwand trocken wird, muss sie von neuem befeuchtet werden.
Wenn man sich die Zunge verbrannt oder dieselbe an den Zählen verletzt hat, so vermische man ein Glas Wasser mit zehn Tropfen der Tinktur und spüle damit fleißig den Mund aus. Für offene Wunden namentlich ist die Tinktur in starker Verdünnung anzuwenden; nach Kneipp kommt man mit zwanzig Tropfen auf 1 Liter Wasser aus, und "diese Goldblume näht in Wahrheit mit Goldfäden die Wunden ohne Eiterung zusammen".
Ist die Haut bei einer Quetschung unverletzt, so kann man die Tinktur noch einmal so stark nehmen; sie wird sehr viel zur Verteilung und Aufsaugung des Blutes beitragen.
Auch aus Arnikablüten läßt sich Tinktur herstellen; sie ist in der Apotheke käuflich (Tinctura arnicae) und wird bereitet aus einem Teile Blüten und zehn Teilen verdünntem Weingeist.
Diese Information ersetzt keinesfalls einen Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker oder eine Beratung in einer Apotheke! Durch die Inhalte dieser Seite können weder Diagnosen gestellt werden, noch eine Heilbehandlung eingeleitet werden.
Bei vielen der Artikel, Tipps und Tricks handelt es sich um Rezepte, die schon mehr als 100 Jahre alt sind. Sie sind daher nicht auf dem neuestem wissenschaftlichen Stand.
**********

