In der alten griechischen Geschichte wird ein südöstlich von Athen gelegener Berg, der Hymettos, mit hohen Ehren genannt wegen seines Marmors und Honigs. Den Honig, dessen Ruhm auch heutzutage noch nicht erloschen ist, sammeln die Bienen aus dem Quendel oder Feldthymian, der die Abhänge des Berges zu Millionen überwucherte. Die dankbaren Griechen erhoben darum das bescheidene, unscheinbare Pflänzchen zum Sinnbild des Fleißes. Auch zur Zeit der Ritter muss es in hohem Ansehen gestanden haben; denn ein beliebter Schmuck in den Schürpen der Helden waren eingestickte Thymianzweige, die von Bienen umflogen wurden.
An Feldrainen, an sonnigen Abhängen und auf trockenen Wiesen ist der Quendel auch bei uns ein häufiger Gast. Er erscheint als niedriges Sträuchlein mit myrtenartigen Blättchen. Die harten, jedoch nur am Grunde holzigen Stengel kriechen am Boden hin und senken von den Knoten aus Würzelchen in die Erde, so dass das Pflänzchen Rasen bildet, die bis zu 30 Zentimeter Durchmesser haben.
Ein lieblicher Wohlgeruch geht von ihm aus, ein Gemisch von Zitronen- und Balsamduft, und es schmeckt bitter gewürzhaft. Der angenehme Duft rührt von einem feinen Öl her, das der Apotheker herauszieht und als Oleum serpylli (Quendelöl) feilhält.
Die rötlichen Blüten stehen in Quirlen, d.h. kreisförmig um den Stengel herum, der vierkantig ist; doch sind die Blütenquirle so nahe beieinander, dass sie zusammen fast ein Köpfchen oder eine Ähre zu bilden scheinen. Blüten, wie der Thymian sie hat, nennen die Botaniker Lippenblüten. Sie sind röhrenförmig, klappen aber an ihrem vorderen, weiteren Ende auseinander. Diese Öffnung mochte dem Erfinder des Namens dem Munde eines Tieres ähnlich erscheinen, und so bezeichnete er denn folgerichtig die Klappen als die offenstehenden Lippen und spricht von einer Unter- und einer Oberlippe.
Die Oberlippe ist bei den Thymianblüten rundlich und ein wenig ausgekerbt; die breitere Unterlippe ist in drei Zipfel gespalten. Auch der Kelch ist zweilippig. Die Blumenkronröhre birgt vier Staubgfäden, und zwar ein kürzeres und ein längeres Paar. Pflanzen mit so eingerichteten Blüten bilden bei Linné die vierzehnte Klasse.
Für Bienen, Fliegen und Schmetterlinge ist die Thymianblüte von großer Anziehungskraft; diese durstigen Wanderer aus dem Reich der Lüfte finden hier reichlich den süßen Nektar, nach dem ihre Zunge verlangt. Damit sie ihn mit Bequemlichkeit genießen können, lassen sie sich auf der Unterlippe wie auf einem Stühlchen nieder und tauchen die Saugwerkzeuge in die Quelle der Süßigkeit hinab. Dabei kann es nicht ausbleiben, dass sie die Staubbeutel streifen. Sind diese reif, so platzen sie und bepudern das Haarkleid der geflügelten Gäste mit ihrem zarten weißen Blütenstaube. Lassen sie sich nun auf andere Blümchen nieder, um hier ebenfalls den Honigkeller zu besuchen, so wird ganz gewiss irgend ein Pollenkörnchen den Stempel mit seiner zweiteiligen, rötlichen Narbe treffen, in diese eindringen und die Blüte zur Fruchterzeugung befähigen. Zu diesem Endzweck gibt der Thymian gern seinen Honig her, mögen auch die Besucxher wähnen, ihn umsonst bekommen zu haben.
Der Kelch fällt nicht ab und bleibt als Schutzhülle für die Frucht zurück. Für die im Reifen begriffene Frucht wird dieser Schutz noch erhöht durch den Kranz von stacheligen Haaren, der den Eingang des Kelches umgibt. Bei völliger Reife ist der Kelch trocken und sackartig aufgebläht, wodurch es dem Winde leicht wird, die Früchte weithin zu verstreuen. Diese fallen schließlich in Gestalt von vier braunen Nüsschen mit je einem Samenkörnchen aus der Hülle heraus.
Arzneiliche Verwendung findet der Quendeltee (Herba serpylli) und der Quendelspiritus (Spiritus serpylli). Gleich der Kamille wirkt der Quendeltee lindernd auf regelmäßig wiederkehrende Krampfbeschwerden und ist beliebt bei Magenkrampf und Keuchhusten. Man nimmt 5-15 Gramm auf 1 Liter Wasser. Der Quendel wird auch verwandt zu Kräuterkissen und als Zusatz zum Bade- oder Waschwasser bei Quetschungen und Verrenkungen. Der Quendelspiritus dient zum Einreiben gelähmter oder von Rheumatismus geplagter Glieder.
Man sammelt das Kraut während der Blütezeit, also im Juli und August.
Viele Hausfrauen ziehen eine Quendelart im Garten, den Gartenthymian (Thymus vulgaris), der aus Südeuropa stammt und besonders als Küchengewürz Verwendung findet, zum Beispiel zu Kalbfleischsuppe mit Mehlklößen, zu Einmachgurken, zu Würsten und Braten. Seine Äaste sind aufwärts gerichtet und schlagen nie im Boden Wurzel.
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