Die Hauhechel





Der Name klingt nicht sehr einladend, und wenn die Pflanze ihm nur halbwegs Ehre macht, so muss es eine sein, die nicht mit sich spaßen läßt. "Hauen" pflegt keine angenehmen Empfindungen zu erwecken, und durch die "Hechel" gezogen werden, rechnet der schwerlich zu den Lustgefühlen, dem das eggenartige Gerät bekannt ist, womit früher die Flachsfasern bearbeitet wurden. Der Name "Weiberkrieg", den das Wegränder und öde, trockene Orte bevorzugende Gewächs nebenbei führt, ist auch nicht gerade vertrauenerweckend. Ich kann dir nicht raten, lieber Leser, ein mit Hauhecheln bestandenes Plätzchen als Ruheort zu erkiesen, um deine müden Glieder behaglich auszustrecken. Gern will ich ja zugeben, dass die Namen die Pflanze grimmiger darstellen, als sie in Wirklich ist; aber Dornen hat sie, so wahr wie eine Hechel Zähne hat.



Die aufstrebenden Stengel, die dir wohl bis an den Ellbogen reichen können, wenn du die Pflanze am Boden anfassest, um sie zu entwurzeln, entwickeln in ihren oberen Trieben steife und kurze Achselsprosse, die in einen Dorn auslaufen. Aus den Blattwinkeln dieser Sprosse entspringen gleichfalls kurze Dornenzweige. Linné hat die Hauhechel also mit Recht spinosa = die dornige genannt. Die Dornenwehr kommt ihr trefflich zu statten, ihr Dasein gegen die Angriffe hungriger Weidetiere zu verteidigen. Diese lassen sich nicht gerne Zunge und Gaumen verwunden, und so kann die Hauhechel siegreich das Feld behaupten. Es gibt zwar Tiere, die auch stachelige Gewächse verzehren, wie z.B. der Esel nach Claudius selbst im erleuchteten Jahrhundert Stroh und disteln frisst.. Darum ist der botanische Name Ononis von onos = Esel abgeleitet und bedeutet etwa Eselsfutter, ohne dass damit gerade behauptet wird, die Hauhechel sei eine Lieblingsspeise des vielgelästerten Grautiers; es soll ungefährt damit gesagt sein: "Für einen Esel gut genug".

Trotz der Dornen entbehrt das Pflänzchen nicht ganz aller lieblichen Eigenschaften. Zu den sanften Zügen des wehrhaften Sträuchleins zählt der purpurne Anflug auf seinen dünnen, zuletzt holzig werdenden Stengeln, ferner die weiche Behaarung derselben. Die Haare sind in Reihen angeordnet, und zwar so, dass sich an der dem Blatte abgewendeten Seite von Knoten zu Knoten eine Haarleiste verfolgen läßt. Besonders geeignet, uns freundlicher gegen das Plänzchen zu stimmen, sind seine rosenroten Blüten, und das um so mehr, da sie oft die einzige Zierde schmuckloser Einöden bilden. Sie entspringen in den Blattwinkeln, gewöhnlich jedesmal eine: doch findet man sie auch zu zweien zusammenstehen. Wegen ihrer Gestalt nennt man sie Schmetterlingsblüten, wie wir sie ebenfalls z.B. bei der Erbse und Bohne antreffen. Um die Ähnlichkeit mit einem Schmetterlinge besser herauszufinden, muss man die Blüte kurz vor dem Aufgehen betrachten. Nimmt man Kelch und Stiel für Kopf und Zunge an, so sieht die Blüte aus wie ein Nachtschmetterling, der mit zusammengelegten Flügeln sitzt. An der aufgeganenen Blüte bemerkt man fünf Kronenblättchen, von denen sich eins durch besondere Größe auszeichnet. Wenn die Blume noch nicht erschlossen ist, bedeckt es die andern vier mit dem Rande. Dieses große Blütenblatt nennt man die Fahne. Ihr gegenüber stehen zwei kleine Kronenblättchen, die teilweise so miteinander vereinigt sind, dass sie einem Rachen ähnlich sehen, weshalb man sie auch das Schiffchen heißt. Die beiden noch übrigen Blättchen nennt man die Flügel. Alle Blätter der Hauhechelblüte sind in einen Nagel ausgezogen; bei der völlig entfalteten Blume ist die ziemlich große Fahne zurückgeschlagen. Das Schiffchen ist aufwärts gekrümmt und endet in deutlich vorgezogener Spitze, weshalb man es "geschnäbelt" nennt. Im Schiffchen stecken die wesentlichen Blütenteile, auf denen der Fortbestand der Pflanze beruht. Die zehn Staubfäden sind sämtlich zu einer Röhre verwchsen, aus deren Mitte sich der Stempel erhebt, der mit seiner Narbe über die Staubbeutel vorragt. Diese bringen den Blütenstaub schon zur Reife, ehe die Knospe der Blume sich nocht entfaltet hat. Vor dem Aufblühen platzen sie und setzen im Vorderteile des Schiffchens den Pollen ab. Während aber die noch nicht ganz ausgebildete Blüte weiter wächst, halten fünf von den Staubgefäßen im Wachstum mit ihr gleichen Schritt und verdicken sich dabei keulenähnlich. Drückt man das Schiffchen herunter, so pressen sie den Blütenstaub an der Spitze desselben heraus. Da der Pollen klebrig ist, so haften die Körnchen aneinander und bilden eine zusammenhängende Masse. In der Natur wird das Niederdrücken des Schiffchens durch Bienen bewirkt, die mit ihrem Rüssel in die ziemlich kurzröhrige Blüte eindringen wollen. Das Insekt streift dabei mit der Unterseite die Stelle, wo der Blütenstaub hervorquillt, und sein behaarter Körper hält den klebrigen Stoff leicht fest. Sobald es die Blume verläßt, um zur anderen hinzufliegen und dort ahnungslos die Befruchtung einleitet, hebt sich das Schiffchen wieder, und alle Blütenteile nehmen die gewöhliche Stellung wieder ein. Blumen, in denen auf solche Weise der Pollen herausgetrieben wird, nennt man Blüten mit Pumpwerk, weil die angeschwollenen Staubgefäße eine ähnliche Arbeit leisten, wie bei einer Pumpe der Kolben. Wir treffen dieselbe Einrichtung z.B. beim Schoten- oder Hornklee und bei der Lupine.

Die Blumenkrone der Hauhechel steckt in einem fünfspaltigen Kelche, der nicht mit den Kronenblättern abfällt. Der Fruchtknoten wächst sich zu einer kurzen, eiförmigen Hülse, also einer bohnenartigen Frucht aus. Sie ist von bräunlicher Farbe und mit weichen Haaren bedeckt; an Länge ist sie dem Kelche gleich oder übertrifft ihn ein wenig. Damit sie wenigstens einigermaßen wie eine Hauhechel aussieht, trägt sie oben eine umgebogene Spitze. In der Hülse liegen zwei bis drei Böhnchen.

Den Hauhechelarten sind wie dem Klee dreizählige Blätter eigen; doch trifft dies regelmäßig nur bei den unteren Blättern zu. Nach oben hin und an den Seitenästen finden sich einfache, die nach ihrer Spitze zu etwas ausgezackt sind.

Hauchelwurzel (Rhadix ononidis) erfreut sich von alters her in der Heilkunde eines guten Rufes. Dr. Schilling sagt: "Die Wirkungsweise der Hauhechel ist eine spezifisch stark harntreibende. Darum gibt man sie bei Wassersuchten, die besonders nach hitzigen Ausschlagskrankheiten, wie Masern, Scharlach, entstanden ist. Auch bei Wassersuchten nach Rheumatismen ist sie sehr beliebt. Ebenso wird sie gegen Blasenleiden mit viel Nutzen verwendet. Hauptsächlich zeigt sich Hauhechelwurzel hilfreich bei allen chronisch gewordenen Gelenkrheumatismen, und zwar um so schneller und sicherer, je mehr die Krankheit von sichtbaren Veränderungen begleitet ist. Weichen auch in sehr hartnäckigen und veralteten Fällen die Schmerzen nicht immer gänzlich, so schwinden doch sicher die Anschwellungen, so dass Kranke, die oft monatelang erfolglos mit allen möglichen anderen Mitteln behandelt wurden, nicht selten schon nach dem Gebrauche dieses Mittels innerhalb 5-8 Tagen von ihrer Gelenksteifigkeit genesen sind." - Als besonderer Vorzug wird der Hauhechel nachgerühmt, dass sie auf die Wasserabscheidung hinwirke, ohne die Nieren anzugreifen.

Die Wurzeln werden im Herbst des dritten oder vierten Jahres ausgegraben.

In der Apotheke gibt es einen sogenannten Holztee (Species lignorum), der z.B. gegen Gicht verordnet wird. Darin befinden sich 3 Teile Hauhechelwurzel (außerdem 5 Teile Guajakholz, 1 Teil Süßholz und 1 Teil Sassafrasholz).

Hier noch ein weiteres Bild der Hauhechel aus einem anderen Buch






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