Die Melisse





Die Melisse hat mit dem Thymian das gemein, dass sie besonders gern von den Bienen besucht wird. Das konnte man kaum deutlicher ausdrücken als durch den Namen; denn Melissa bedeutet geradezu "Biene". Die Vorliebe der Bienen läßt auf großen Honigreichtum in der Melissenblüte schließen. Dass der Geruch der Melisse eine starke Anziehungskraft für die geflügelten Wabenkünstlerinnen hat, war schon dem römischen Dichter Virgil bekannt. Um schwärmende Bienen zu bannen, empfahl er, beim Stock Melissensaft auszusprengen.



Die Pflanze stammt aus Südeuropa; in Deutschland findet sie sich meist nur angepflanzt. Aus dem Wurzelstocke erheben sich zahlreiche vierkantige Stengel, die fast einen Meter hoch werden können, gewöhnlich aber niedriger bleiben; nach oben zu sind sie etwas behaart. Die eirunden, runzeligen Blätter stehen auf ziemlich langen Stielen einander gegenüber und sind gleichfalls an der Unterseite mit Haarflaum besetzt, weshalb sie sich rauh anfühlen. Der Rand ist gekerbt; man zählt etwa 5-10 Kerbzähne an jeder Seite. Die unteren Blätter sind am Stielende fast herzförmig eingeschnitten. Die Blüten sind weiß und entspringen in den Blattwinkeln; sie stehen auf kurzen Stielen in Sträußchen beisammen, die in zwei Gruppen angeordnet sind, und sind nach einer Seite hingewendet. Die Oberlippe ist kurz und ein wenig ausgerandet; die größere Unterlippe hat drei stumpfe Zipfel, von denen der mittlere so groß ist wie die beiden seitlichen zusammen. Die Zähne des ebenfalls zweilippigen Kelches sind spitz. Seine Oberlippe hat drei Zacken; die zweizähnige Unterlippe ist tiefer gespalten. Auch der Kelch trägt ein Haarkleid. Bemerkenswert ist die Stellung der Staubgefäße. Ihre Fäden sind nach rückwärts gekrümmt; sie stehen zu zwei Paaren bogenförmig zusammengeneigt. Die beiden Hälften der Staubbeutel spreizen mit ihrem unteren Ende auseinander; sie öffnen sich oben in einer gemeinsamen Spalte. Der Stempel teilt sich in zwei hörnerartig gebogene Narbenzipfel. Aus den Blüten entstehen die Samen in Gestalt eiförmiger Nüsschen mit glatter Oberfläche.

Man schreibt der Melisse einen heilsamen Einfluss auf die Nerven zu, z.B. bei Migräne und nervösem Herzklopfen. Auch wirkt sie beruhigend auf die Verdauungsorgane, z.B. bei Magenkrampf und Leibweh (Kolik). Gewöhnlich wird sie als Tee angewandt, bei dessen Bereitung man auf 15-20 Gramm getrockneter Blätter 1 Liter heißes Wasser rechnet. In der Apotheke führt man Melissenspiritus (Spiritus Melissae eompositus), der hergestellt wird, indem man Melissenblätter und verschiedene andere Stoffe, darunter Zitronenschalen, Gewürznelken und Muskatnuss, in Weingeist ausziehen läßt, mit Wasser verdünnt und dann das Gemisch durch Destillation auf ein kleineres Quantum bringt. Ähnlich zusammengesetzt ist der berühmte Karmelitengeist, der im Karmeliterkloster in Regensburg in weltbekannter Güte bereitet wird. Von diesem nimmt man gegen die genannten Beschwerden täglich etwa viermal einen Teelöffel, oder auch ebenso oft 25-30 Tropfen auf Zucker. Bei Kindern wird die Gabe um die Hälfte verringert.

Melissenblätter sind während der Blüte (Juli und August) oder auch kurz vorher zu sammeln.



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