Die Pfefferminze





Im Thymian haben wir eine Pflanze von eigenartig angenehmem Dufte kennen gelernt. Die Familie, zu der er gerechnet wird, die der Lippenblütler, hat noch mehrere andere Vertreter, die durch Wohlgeruch den Menschen angelockt haben mögen, sie auf ihre Heilkräfte hin zu prüfen, und die er, gleichweise befriedigt von ihrem Duft wie von ihren Wirkungen, bei sich im Hausgarten anpflanzte, um sich an ihnen zu erfreuen und sie für allerlei Unpäßlichkeiten gleich bei der Hand zu haben. Solche Lippenblütler sind z.B. die Pfefferminze, die Salbei und die Melisse.


Mit seinem Dufte aus dem Reiche der Heilkräuter ist wohl jede Haushaltung vertrauter, wie mit dem der Pfefferminze. Pfefferminztee ist ein allbekanntes Hausmittel, und selbst Mädchen, denen der Wein zu sauer und das Bier zu bitter ist, sieht man zuweilen verstohlen ein kleines "Pfefferminzchen" als Labsal über die durstigen Lippen bringen. Den Kindern ist es ein Hauptvergnügen, wenn sie sich für einige Pfennige ein Tütchen voll weißer Pfefferminzküchlein kaufen dürfen, die im Munde so angenehm kühlend zergehen, und die Automatenaufssteller, die oft mehr als notwendig auf kindliche Geldbeutel spekulieren, haben wohl gewusst, was sie taten, wenn sie niemals eine genügende Zahl Pfefferminzdöschen hineinzustecken vergaßen. Bei den griechischen Landleuten war es Sitte, Minzensträuße auf den Tisch zu stellen, wenn sie Gäste zum Essen bei sich hatten.

Die Gattung der Minzengewächse, die alle in dem bekannten Geruche miteinander übereinstimmen, ist sehr artenreich. Doch vermischen sich die Arten gern miteinander, wodurch Zwischenformen, sogenannte Mischlinge oder Bastarde entstehen, was dem Botaniker die genaue Bestimmung der verschiedenen Minzen sehr erschwert. Manche Naturforscher halten z.B. die arzneiliche Pfefferminze, die den besonderen Gegenstand dieser Ausführung bildet, für einen Bastard, entstanden aus der grünen und der Wasserminze, indem der Blütenstaub der einen den Stempel der anderen befruchtete.

Die Pfefferminze (Mentha piperita) ist ein ästiges Kraut von halber Mannshöhe. Die Stengel sind aufrecht und vierkantig. Die spitzeiförmigen, gegenständigen Blätter haben nur kurze Stiele; am Rande sind sie ähnlich dem Brennesselblatte scharf gesägt. Ein kräftiger Mittelnerv durchzieht sie, und die Blattfläche ist niemals auffallend kraus, worauf besonders zu achten ist, um die Pflanze von der Krauseminze (Mentha erispa) zu unterscheiden. Meist sind die Blätter kahl, ebenfalls ein Unterschied von der Krauseminze, die auf den Blattunterseiten wie am Stengel Haare aufweist. Der holzige Wurzelstock treibt unterirdische Ausläufer; aber es finden sich auch oberirdische Ausläufer, die Blätter treiben und an den Knoten Wurzel schlagen. Der Blütenstand nimmt das obere Ende der Stengel ein; die lilafarbenen Blüten stehen so zahlreich und dicht um den Stengel herum, dass der Blütenstand fast den Eindruck einer Ähre macht. Die Blütenhäufchen sind ein wenig von einander abgerückt, weshalb die Ähre unterbrochen erscheint. Unter jeder Gruppe steht ein Blattpaar. Die unteren Blütchen sind gestielt. Der violett-rötliche Kelch ist kahl und gefurcht; nur sein fünfzähniger Rand ist mit Wimperhärchen besetzt. Wenn die Frucht reif wird, strecken sich die pfriemenförmigen Zähne geradeaus. Die Krone ist viel regelmäßiger als bei anderen Lippenblütlern; sie ragt mit ihren Zipfeln über den Kelchrand hervor. Es sieht fast so aus, als ob sie nur vier Lappen habe, was daher kommt, dass die zwei Läppchen der Oberlippe hoch hinauf miteinander verwachsen sind. Die seitlichen Zipfel biegen sich nach außen. Abweichenden vom Bau anderer Lippenblüten ist ferner, dass die vier Staubfäden fast gleichlang sind; auch sind sie gerade gestreckt und nicht paarweise gegeneinander geneigt. Der Stempel ist zweispaltig und überragt die Blumenkrone bedeutend. Vier braune, eiförmige Nüsschen mit je einem Samen bilden die Frucht. Neben den Samenkörnern sorgen die Ausläufer für die Vermehrung der Pflanze.

Der Name Metha bedeutet einen stark riechenden Stoff und steht überdies in Beziehung zu der Nymphe Mentha, die, wie Ovid in seinen Gedichten mitteilt, einst durch Zauber in eine Minzenart verwandelt wurde; piperita  heißt gepfeffert und spielt gleich dem deutschen Namen auf den scharfen Geschmack an.

Die getrockneten Blätter (Herba Mentha piperitae) werden zu Teeaufguss gebraucht (10-15 Gramm auf 1 Liter Wasser), der bei Magenkrampf und Magenschwäche von vorzüglicher Wirkung ist. Wenn nach einem heftigen Migräneanfall die Schmerzen anfangen nachzulassen, ist eine Tasse Pfefferminztee oft ein wahres Labsal. Auch Einreibung der schmerzhaften Stelle mit Pfefferminzöl (Oleum Menthae piperitae) tut manchmal gute Dienste. nach Kneipp "benimmt Minzentee, der in halb Wasser und halb Wein bereitet ist, den übel- und faulriechenden Atem, wenn man mehrere Tage hindurch täglich eine Tasse trinkt. Minzenabkochung, mit Essig bereitet und von Zeit zu Zeit löffelweise genommen, stillt das Blutbrechen." Auf Personen, die durch erschöpfende Krankheiten Herzklopfen bekommen haben, wirkt Pfefferminztee beruhigend. Auch die Krauseminze wird in der Heilkunde gebraucht; sie wirkt milder und ist deshalb für schwächliche Leute vorzuziehen. Kurz vor oder in der Blütezeit (Juni bis August) werden die Blätter gesammelt; man trocknet sie im Schatten und verschließt sie in Blechdosen.



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