Dr. H. Paschkis sagt über Seifen: "Seifen sind Verbindungen der Fettsäuren mit Alkalien; sie schliessen sich im chemischen Sinne und nicht minder in physiologischer Hinsicht an die übrigen Salze der letzteren an. Auch auf die Haut wirken sie in ähnlicher Weise wie die kohlensauren Alkalien;
gleich diesen bedingen sie Erweichung, Quellung und Abstossung oder Lösung der Epidermis, sowie Reizung, Röthung und Schwellung der darunter liegenden Schichten. Nur ausnahmsweise bestehen die gebräuchlichen Seifen allein aus den fettsäuren Alkalien; sie enthalten in der Regel freies, resp. kohlensaures Alkali, welches selbst wieder Verseifung des auf der Haut angesammelten Talges bewirkt. So lange diese Verseifung und Lösung des Fettes nur auf die Oberfläche beschränkt ist, ist sie eine gewünschte Wirkung des Alkali und eine erwünschte Nebenwirkung der Seife. Das Hautfett wird aber nicht nur aus den Talgdrüsen auf die Epidermidalgebilde ergossen, sondern diese schliessen auch Fett ein, welches innerhalb des Gewebes selbst sich bildet. Werden nun scharf alkalische Seifen (oder auch Alkalien) auf die Haut applizirt und dadurch das Keratingewebe aufgequollen und zerstört, so wird auch das in diesen enthaltene Fett denselben entzogen; es resultirt also nicht bloss Reinigung, sondern Verseifung und Anätzung in mehr oder minder grosser Tiefe.
Früher hatte man die gesammte Wirkung der Seife dem in ihr enthaltenen Alkali zugeschrieben und hatte jener nur den Vorzug der geringeren Aetzung im Vergleiche zu den Aetz- und kohlensauren Alkalien zugestanden. Die Alkaliwirkung ist jedoch bei der Anwendung der Seife, zumal bei der kosmetischen Applikation derselben, nicht die einzige Wirkung, welche die Seife zu dem wichtigsten kosmetischen Mittel macht.
Zu jener physiologischen tritt nämlich eine chemische und mechanische Wirkung hinzu. Die chemische beruht auf der leichten Zersetzbarkeit der Seifen durch Wasser; die Seifen, das sind die neutralen Alkalisalze der fetten Säuren, zersetzen sich nämlich mit Wasser derart, dass saures fettsaures Alkali sich unlöslich ausscheidet, während ein basisch fettsaures Alkali gelöst bleibt. Das letztere besorgt nun den chemischen Theil der Arbeit; es verbindet sich mit den sauren Bestandtheilen des Hautsekrets und des Schmutzes, mit den hohen fetten Säuren des Schweisses zu neuem saurem fettsaurem Alkali. Dem Antheil der Seife dagegen, welcher zu saurem fettsaurem Alkali gespalten wurde, also dem unlöslichen Theil, fällt die mechanische Aufgabe zu, die neu entstandenen Verbindungen einzuhüllen und suspendirt zu erhalten; in dieser Aufgabe wird er unterstützt durch die Eigenschaft der Seife, mit Wasser einen festen haltbaren Schaum zu liefern, welcher nicht nur die entstandenen neuen Verbindungen, sondern auch durch die Friktion entfernte Hautpartikel, Epidermisschuppen, Haare, Staub und Schmutz in sich einschliesst und deren Niederfallen und Haften auf der Haut hindert.
Die stark ausgeprägte physiologische Wirkung der Seife, die Wirkung des Alkali ist nicht immer erwünscht; besonders beim täglichen kosmetischen Gebrauche mus dieselbe, gegenüber den beiden anderen Wirkungen in den Hintergrund treten. Sie wird vermieden, wenn nur vollkommen neutrale Seifen verwendet werden; durch die Anwendung solcher werden auch die anderen Forderungen am besten erreicht."
Aus dem Vorhergehenden ergeben sich nun leicht die Anforderungen, welche an wirklich gute, tadelfrei kosmetische und vor Allem an die sog. medizinischen Seifen zu stellen sind. Sie lauten:
1. Die Seife muss völlig neutral sein, weil laugenhaltige und gefüllte Seifen die Haut zu stark reizen.
2. Der Wassergehalt einer kosmetischen Seife darf nicht zu klein sein, weil sehr harte und trockene Kernseifen sich schwer lösen und wenig schäumen. Ein zu grosser Wassergehalt verringert den Werth der Seife.
3. Das Schäumen der Seife wird durch die Gegenwart von freiem Fett verhindert. Auch ertheilt dieses der Seife bei längerer Aufbewahrung einen ranzigen Geruch. Jedoch ist zu diesem Punkte zu bemerken, dass die überfetteten Seifen durch die grössere Geschmeidigkeit des Schaumes unter Umständen kosmetischen Werth, wenn auch nicht als Waschmittel allein besitzen. Das Ranzig- und Klebrigwerden solcher Seifen kann durch Ersatz des gewöhnlichen Fettes, durch Lanolin, vermieden werden. (Auspitz.)
4. Die Seife soll von gutem Geruch und schöner, gleichbleibender Farbe sein; die für diesen Zweck zu machenden Zusätze müssen völlig unschädlich sein.
Es erübrigt nun noch einige speziellere Winke über die Fabrikation der kosmetischen und medizinischen Seifen anzugeben.
Es sind hierfür in neuerer Zeit vielfach die sog. überfetteten Seifen empfohlen worden. Diese werden bereitet entweder indem man das Alkali bei der Verseifung nur in solchen Mengen anwendet, dass ein gewisser Prozentsatz des Fettes unverseift bleibt, oder indem man fertige, am besten zentrifugirte Kernseifen mit etwa 10 % Fett zusammenschmilzt. In beiden Fällen wird das überschüssige Fett durch die Seife emulgirt. Eine solche Seife erfüllt für gewisse medizinische Seifen ihren Zweck, so lange sie frisch ist, vollkommen; bei ihrer überaus grossen Neigung zum Ranzigwerden aber ändern sich leicht die guten Eigenschaften derselben in schlimme um. Dieser Uebelstand kann nur vermieden werden, wenn zur Ueberfettung der Seifen gutes Lanolin verwandt wird, welches dem Ranzigwerden bekanntlich so gut wie gar nicht unterworfen ist.
Als beste Grundlage für alle feinen Toilette- und medizinischen Seifen, bei welchen nicht gerade ein Fettüberschuss gewünscht wird, ist daher gute zentrifugirte Kernseife anzusehen.
Für jeden, der die Fabrikation von medizinischen und feinen Toiletteseifen nicht in sehr grossem Massstabe betreibt, empfiehlt es sich daher, dem Beispiele der englischen Toiletteseifen-Fabrikanten zu folgen und den Seifenkörper selbst aus grossen Seifenfabriken zu beziehen. Die Umwandlung eines solchen Seifenkörpers in kosmetische Seifen geschieht auf zweierlei Wegen. Entweder völlig kalt, durch Zumengung der betreffenden Stoffe mittelst der Pilirmaschine, eine Methode, die sich namentlich empfiehlt, wenn es sich um den Zusatz sehr feiner und zarter Parfüms handelt. Oder durch sog. Umschmelzen. Hier wird die Rohseife gehobelt und dann in einem Kessel im Wasser- oder Dampfbade unter beständigem Umrühren geschmolzen. Verarbeitet man zentrifugirte und sehr harte Kernseifen, so kann man einen Zusatz von 10-15% Wasser machen, um die Geschmeidigkeit der Seife zu erhöhen. Der auf diese Weise geschmolzenen Seifenmasse werden dann die medizinischen Zusätze, sowie Parfüm und Farben zugerührt, die Masse in Kasten ausgegossen, nach dem Erkalten zerschnitten und eventuell in Formen gepresst.
Zur Färbung der Seifen bedient man sich neuerdings meistens der Theerfarbstoffe, diese liefern allerdings sehr schön gefärbte Seifen, doch ist die Farbe sehr lichtempfindlich. Für rothe Farben benutzt man Corallin, Fuchsin, Zinnober und auch Carmin, letzteres kann jedoch nur bei vollkommen neutralen Seifen angewandt werden. Für ordinäre Seifen werden auch Englisch Roth und ähnliche Erdfarben benutzt. Für gelbe Farben verwendet man Orlean, Saffransurrogat, Cadmiumgelb, gelben Zinnober u. A. m.; auch Pikrinsäure wird verwandt, ist aber für kosmetische Seifen entschieden zu verwerfen. Für braune Farben gebrannter Ocker, Umbra u. A. m. Für blaue Farben Smalte, Ultramarin. Für grüne Farben Mischungen aus Blau und Gelb.
Die Parfümirung der Seifen ist keine ganz leichte Aufgabe, da nicht alle ätherischen Oele sich dazu eignen. Wir werden später bei den Parfümerien eine Anzahl Vorschriften für Seifenparfüms bringen und bemerken hier nur, dass es namentlich kräftig riechende ätherische Oele sind, welche dazu benutzt werden. Wir nennen hier Citronen-, Bergamott-, Lavendel-, Rosmarin-, Kümmel-, Thymian-, Lemongrasöl u. A. m. Neuerdings auch vielfach das von Schimmel & Co. in den Handel gebrachte Saffrol, sowie für ordinäre Seifen auch das flüssige Kampheröl.
Die feineren Gerüche sind nur mittelst Pilirens einzuverleiben, da durch die Wärme zu grosse Verluste hervorgerufen würden. Das Rosenöl wird hierbei gewöhnlich durch Rosengeranium-, Rosenholz- und Idrisöl ersetzt.
Nach dem Vorhergesagten wird ein jeder Praktiker leicht seine medizinischen und kosmetischen Seifen zusammensetzen können, ohne dass wir bei jeder Vorschrift nöthig hätten, Spezialanweisungen über die Bereitung zu geben.
Bei den Artikeln, Tipps und Tricks, usw. auf dieser Webseite handelt es sich zum größten Teil um Auszüge aus Büchern, die um 1900 erschienen. Daher sind die Rezepte und Anleitungen nicht auf dem neuestem wissenschaftlichen Stand und ersetzen keinesfalls einen Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker oder eine Beratung in einer Apotheke! Durch die Inhalte dieser Seite können weder Diagnosen gestellt werden, noch eine Heilbehandlung eingeleitet werden.
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