Mit dem Ausdruck Puder (abgeleitet von dem französischen Worte Poudre) bezeichnet der Sprachgebrauch jetzt ganz allgemein alle diejenigen Pulver und Pulververmischungen, welche zu bestimmten kosmetischen Zwecken in trockenem Zustände auf die Haut gestäubt oder auf derselben verrieben werden. Ihr Zweck kann ein mehrfacher sein.
Ein Theil derselben soll direkt heilend auf Störungen der Hautthätigkeit einwirken. In diesem Falle sind dem Puder fast immer besondere arzneiliche Stoffe, namentlich desinfizirender Natur, hinzugefügt. Hierher gehören die verschiedenen Streupulver mit Salicylsäure, Borsäure, Alaun etc., wie wir sie schon bei den medizinischen Präparaten kennen gelernt haben.
Ein anderer Theil soll nur Feuchtigkeit aufsaugend wirken und wird daher bei empfindlicher Haut unmittelbar nach dem Waschen oder nach dem Rasiren eingestäubt; namentlich wenn die betreffende Person gleich nach dem Waschen oder Rasiren dem Einflüsse der frischen oder scharfen Luft ausgesetzt ist. Für diesen Zweck verwendet man fast immer pflanzliche Stoffe, wie Stärkemehl, Veilchenwurzelpulver u. A. entweder für sich allein oder in Mischung mit mineralischen Bestandtheilen.
Die dritte Gruppe endlich, und es ist dies die hauptsächlichste, verbindet mit dem Zwecke der zweiten Gruppe noch den der Färbung. Hier sind dem Puder Stoffe zugesetzt, welche der Haut eine bestimmte Färbung
verleihen sollen; sei es nun mangelhafte Färbung der Haut zu verdecken, oder, wie dies für das Theater namentlich nothwendig ist, für das grelle Lampenlicht stärkere Farben aufzutragen. Derartige Puder werden daher auch Schminkpuder genannt und bilden den Uebergang zu den eigentlichen Schminken. Ihr Grundbestandtheil ist fast immer aufs Feinste gepulvertes Talkum (Speckstein) mit Zusätzen von Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat, Blanc fixe, Zinkweiss und anderen färbenden Bestandtheilen. Alle zu den Pudern verwandten Pulver müssen staubfein und auf das Sorgfältigste geschlämmt sein. Sie werden meist mit dem sog. Puderquast oder einer Hasenpfote oder ganz feinem Batist aufgetragen und zwar am besten, wenigstens bei denen aus der dritten Gruppe, nachdem die Haut vorher ganz schwach und gleichmässig gefettet ist.
Ueber die Wirkung der Puder auf die Haut spricht sich Paschkis in seinem schon vielgenannten Buch über Kosmetik etwa folgendermassen aus:
"Die Puder und Schminken gehören zu den allerbedenklichsten Schönheitsmitteln, deren dauernde Benutzung fast unausbleiblich nachtheilige Folgen für die Haut mit sich bringt. Denn wenn auch der zeitweilige Gebrauch von austrocknenden Pudern von wirklichem Nutzen sein kann, weil sie die Haut vor den schädlichen Einflüssen der Luft schützen, so wirkt doch der dauernde Gebrauch selbst dieser nur unschädliche Mittel enthaltenden Puder schädigend auf die Haut, weil er die Poren und Talgdrüsen derselben verstopft und dadurch die Bildung von Mitessern, sowie von rauher und spröder Haut hervorruft. Ausserdem erleiden die pflanzlichen Bestandtheile durch den Schweiss und die sonstigen Ausscheidungen der Haut weitgehende Umsetzungen; es entsteht unter Anderem Milchsäure und Schleimsäure, welche reizend auf die Haut einwirken.
Diese Beobachtungen lehren uns, dass derartige Puder, wenn sie zur Abtrocknung der Haut angewandt werden, nach einiger Zeit durch Reiben mit einem Tuch zu entfernen sind. Am allerwenigsten schädlich für die Haut, weil es von den Ausscheidungen derselben nicht angegriffen und gelöst wird, ist das Talkum. Der einzige Uebelstand desselben ist nur der, dass es die Feuchtigkeit nicht besonders stark aufsaugt und die Haut zu glänzend macht. Beide Uebelstände sind aber dadurch zu verbessern, dass man demselben etwas kohlensaure Magnesia oder feinste Kreide zumengt.
Noch weit schädlicher wirkt der dauernde Gebrauch von Schminkpudern, deren färbender Bestandtheil fast immer aus Metallverbindungen besteht. Denn wenn auch das schlimmste derselben, das Bleiweiss, nicht mehr verwendet werden darf, so sind doch auch Perlweiss (basisch salpetersaures Wismuthoxyd) und Zinkweiss nicht ganz unlöslich in den Hautausscheidungen und wirken durch die entstandenen löslichen Metallsalze schädigend ein. Das Wismuthsalz hat noch ausserdem den Uebelstand, dass es durch die Einwirkung von Schwefelwasserstoff gebräunt wird. Bei Zinkweiss ist dies nicht der Fall. Man sollte, um die schädlichen Einflüsse der Metallsalze ganz zu vermeiden, dieselben am besten gänzlich durch Blanc fixe (gefälltes Bariumsulfat) ersetzen. Dasselbe hat in seinen feinsten Marken eine vollständig genügende Deckkraft und ist, bei seiner gänzlichen Unlöslichkeit, absolut unschädlich.
Die rein weisse Farbe des Puders ist, weil unnatürlich, nicht immer erwünscht, man setzt ihm daher vielfach kleine Mengen färbender Bestandtheile, namentlich Roth und Gelb zu. Für erstere Farbe verwendet man durchgängig Karmin, für Gelb Goldocker und ähnliche Farben. Für Theaterzwecke, wo oft ganz andere Farben als die der kaukasischen Rasse gewünscht werden, richten sich die Zusätze nach den gegebenen Verhältnissen. Gebrannte und ungebrannte Terra de Siena, rother Bolus, Umbra, Kastanienbraun und ähnliche Erdfarben ermöglichen alle nur irgend gewünschten Farbennüancen.
Der Name Fettpuder, wie er vielfach benutzt wird, ist in den weitaus meisten Fällen ein gänzlich falscher. Nur höchst selten werden dem Puder Fettsubstanzen zugemengt, soll dieses wirklich geschehen, so können es nur solche Fette sein, welche dem Ranzigwerden nicht oder doch nur in äusserst geringem Masse unterworfen sind. Die meisten Fette und Oele würden bei der ungemein grossen Vertheilung sehr rasch ranzig werden, und in Folge davon äusserst nachtheilig auf die Haut wirken. Wirklich brauchbar für diesen Zweck sind nur Walrat, Lanolin und als Mineralfett Vaselin. Soll Walrat verwandt werden, so schmilzt man denselben und verreibt ihn in diesem Zustände nach und nach mit Talkum.
Mit dem Ausdruck "Schminken" bezeichnet man speziell alle diejenigen kosmetischen Präparate, welche ausschliesslich zur Färbung der Haut dienen sollen. Ihre Anwendung ist eine uralte, denn sie lässt sich schon bei sämmtlichen Kulturvölkern des Alterthums nachweisen. Und so viel auch von Seiten der Aerzte und der Laien gegen die Anwendung von Schminken geredet und geschrieben ist, so ist doch, wie bei allen Modethorheiten nichts dadurch geändert und ihr Verbrauch ist in manchen Zeiten ein geradezu kolossaler gewesen. Auch heute noch ist ihre Fabrikation immer eine recht lohnende und es wird ihr Verbrauch ein immer weniger schädlicher werden, sobald die betreffende Industrie sich bemüht, die schädlichen Substanzen, namentlich die Metallverbindungen, durch möglichst unschädliche Farben zu verdrängen.
Die Form, in welche die Schminken gebracht werden, sind sehr verschiedener Natur. Theils sind es die schon erwähnten, sog. Schminkpuder, theils bringt man sie in flüssige Form (Paschkis nennt diese Art der Anwendung die schädlichste), theils bringt man die färbenden Substanzen in Verbindung mit Fett, in die Form von Salben oder Stiften (Fettschminken). Die Schminkstifte finden namentlich auf dem Theater Verwendung zum Färben der Augenbrauen, Wimpern, Augenränder oder zur Hervorbringung künstlicher Gesichtsfalten etc. etc.
Endlich verwendet man die Schminken auch in trockener Form, als gepresste Tabletten, oder indem man den Farbstoff auf Papier trägt, oder weiche Zeugstoffe damit imprägnirt.
Die Stoffe, welche bei der Schminkebereitung zur Verwendung kommen, sind etwa dieselben, wie die für die Bereitung des Puders. Für Weiss Talkum, Blanc fixe, Perlweiss, Zinkweiss; für Roth Karmin, ferner der rothe Farbstoff des Safflors das Carthamin, ferner Farblacke aus Rothholz, Krapp u. A. m.
Das Carthamin, rouge vegetale, rouge de Portugal, auch Tassenroth genannt, dient namentlich zur Darstellung der Schminkpapiere und Schminklappen, indem es in konzentrirter Lösung auf dieselben gebracht wird. Werden diese schwach angefeuchtet auf der Haut verrieben, so verleihen sie derselben eine sehr schöne rosige Färbung, und ist bei der Verwendung dieser Art Schminken kaum eine nachtheilige Wirkung zu befürchten.
Hier und da ist auch die Verwendung von Murexid (ein Umsetzungsprodukt der Harnsäure), welches bei sehr schöner rother Farbe eine grosse Ausgiebigkeit besitzt, zur Schminkenbereitung empfohlen worden. Es hat aber keine nennenswerthen Vorzüge, z. B. vor dem Carthamin und obendrein einen sehr hohen Preis. Von Frankreich aus ist eine derartige Schminke unter dem wunderbaren Namen Schnouda in den Handel gebracht.
Gänzlich zu verwerfen für die Bereitung rother Schminken ist die Verwendung von Theerfarbstoffen (Eosin u. A. m.), weil sie der damit imprägnirten Haut derartig fest anhaften, dass ihre Entfernung eine äusserst schwierige ist. Auch kennt man ihre Einwirkung auf die Haut noch zu wenig, um auch nach dieser Seite hin ihre Verwendung empfehlen zu können.
Während die Schminken meistens unparfümirt bleiben, werden die Puder gewöhnlich kräftig parfümirt. Rosen, Veilchen mit Spuren von Moschus sind die beliebtesten Wohlgerüche.
Für das Talkum wird, bei der Benutzung zu Puder, vielfach empfohlen, dasselbe einige Tage mit Essig zu behandeln, dann auszuwaschen und zu trocknen. Da reines Talkum in Essig volkommen unlöslich ist, so könnte dieses Verfahren nur den Zweck haben, etwaige, in dem Talkum enthaltene Carbonate der Erdalkalien zu entfernen. Uns will eine solche Behandlung vollständig überflüssig erscheinen, da den meisten Pudern Magnesium- oder Calciumcarbonat direkt zugesetzt wird.
Wir geben in dem Nachstehenden eine Reihe von Vorschriften zu Pudern und Schminken aller Art, die als Beispiele für die Zusammensetzung dieser Präparate dienen können.
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