Ich denke zwar, dass die Zeiten, in denen Pflaster per Hand angefertigt wurden, endgültig vorbei sind. Aber trotzdem - vielleicht muss ja einmal jemand von euch wissen, wie das früher gemacht wurde, oder hat Lust, es einfach auszuprobieren. Also, auf zur Pflasterherstellung wie vor hundert Jahren. :-)
Zur Darstellung des Engl. Pflasters bedarf man zuerst eines verstellbaren, hölzernen Rahmens, ähnlich dem gewöhnlichen Stickrahmen, nur von weit bedeutenderer Größe, in welchem das Seidenzeug in der Weise eingespannt wird, dass ein passendes Stück an allen vier Seiten an einen ca. 2cm breiten Streifen festes Baumwollzeug angenäht wird.
Dieser Baumwollstreifen wird dann mittelst mässig starken Bindfadens möglichst gleichmässig in den Rahmen eingespannt. Man zieht den Bindfaden so lange an, bis die Seide überall glatt und gleichmässig, jedoch nicht zu straff eingespannt ist.
Nachdem der Rahmen derart vorbereitet, wird die Seide auf je ein Quadratmeter nach und nach mit einer Lösung von 100,0 Hausenblase in 500,0 Wasser bestrichen. Um ein starkes Durchschlagen zu vermeiden, wird die Seide zuerst auf der Rückseite mit einer verdünnten Benzoetinktur (1:1) bestrichen. Nachdem dieser Anstrich getrocknet, kann das Aufstreichen der Hausenblasenlösung beginnen. Man bedient sich dazu eines breiten, sog. Kopirpinsels. Die ersten Aufstriche müssen mit möglichst kalter Lösung und an einem nicht zu warmen Orte geschehen, indem man das eine Mal von unten nach oben und das andere Mal von rechts nach links und so immer abwechselnd die Lösung recht gleichmässig aufstreicht. Kein Aufstrich darf vorgenommen werden, bevor der vorhergehende völlig trocken ist. Nach dem dritten Aufstrich kann man die Trocknung an einem mässig warmen Orte vornehmen. Man fährt fort, bis fast alle Lösung verbraucht ist, versetzt den Rest dann mit etwa der gleichen Menge Alkohol und bewirkt hiermit die letzten Aufstriche. Es wird hierdurch ein schöneres Blankwerden des Pflasters hervorgerufen. Bei den letzten Aufstrichen hat man noch zu beachten, dass durch vorsichtiges Anziehen der Bindfaden die Seide recht glatt und gerade nachgespannt wird.
Allenfalls lassen sich die ersten drei bis vier Aufstriche anstatt mit Hausenblase mit einer Lösung von 1 Th. Gelatine in 6 Th. Wasser vornehmen. Die weiteren Aufstriche dürfen aber nur mit Hausenblase gemacht werden.
Soll das fertige Pflaster behufs späterer Verpackung in gleichmässige Stücke eingetheilt werden, so kann man diese sonst sehr mühsame Operation auf folgende Weise sehr vereinfachen. Man lässt vom Tischler mehrere nicht zu dicke Leisten (3 cm breit, 1 ½ cm dick) von der Länge und Breite des Rahmens herstellen. Durch die Leisten schlägt man in abgemessenen Entfernungen gleich lange Drahtstifte, so dass die Spitzen an der entgegengesetzten Seite etwa 2 cm hervorstehen. Angenommen, man wollte die gebräuchlichen Stücke von 40Qcm herstellen, so müssen auf der einen Leiste die Stifte 8 cm, auf der andern 5cm von einander entfernt sein. Um nun abzutheilen, fährt man mit der Stiftseite der Leisten etwas schräg gehalten auf dem Pflaster entlang, indem man durch vorsichtiges Andrücken der Hände an den Rand des Rahmens vermeidet, dass die zu ziehenden Linien von der senkrechten Richtung abweichen. Es entstehen in dem Hausenblasenübergang deutliche graue Striche. Nachdem auf diese Weise die Längsstriche angegeben sind, wird der Rahmen umgedreht und die Querstriche auf dieselbe Weise hergestellt.
Während das Pflaster noch eingespannt ist, kann man die Längsstreifen mit einem scharfen Federmesser trennen und hat dann nur nöthig, die Querstriche mittelst der Scheere zu zerschneiden.
Man ermöglicht durch diese Methode eine sehr genaue und dabei rasche Eintheilung des Pflasters.
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