Einer der größten Feinde unserer Gesundheit ist die Schlaflosigkeit. Sie ist verantwortlich für gedrückte Gemütsstimmung, Gleichgütigkeit, Verdrossenheit und ein allgemeines Unwohlbefinden.
Es ist daher äußerst wichtig, daß Jedermann wisse, wie er sich Schlaf verschaffen kann. Es gibt viele, althergebrachte Hausmittel, die mehr oder weniger erfolgreich sind, aber zuweilen will nichts helfen.
In erster Linie sollte man sich's zur Gewohnheit machen, jegliche Art Aerger, Pläne, angenehme oder kummervolle Gedanken in dem Augenblick wegzulegen oder von sich abzuschütteln, da man sich zu Bette legt und wo der Kopf das Kissen berührt. Diese Gewohnheit kann durch Ausdauer, jedoch nicht in einem Tage erlangt werden.
Hat der Schlafbedürftige einmal diesen Entschluß gefaßt, so wird er durch Beobachtung folgenden Planes bedeutend unterstützt werden:
Man stecke die Füße gleich vor dem Zubettegehen, einige Minutenlang in warmes Wasser. Oder wer eine gute Zirkulation hat, mache den Versuch mit kaltem Wasser, und reibe hernach die Füße tüchtig.
Ein anderer Plan ist der, im Bett aufzusitzen und sich vorzunehmen, man wolle die ganze Nacht wach bleiben. Dies verfehlt selten, in wenig Minuten Schläfrigkeit zu verursachen. Es ist aber noch besser, wenn man sich in der Mitte des Zimmers in vollständiger Dunkelheit auf einen Stuhl setzt, und sobald man Schläfrigkeit verspürt, sich schnell ins Bett legt.
Eine mit heißem Wasser gefüllte Flasche an die Füße gelegt wird in den meisten Fällen hartnäckigste Schlaflosigkeit besiegen.
Viele Leute können sich dadurch Schlaf versetzen, daß sie die Arme schwingend bewegen.
Um ein Kind einzuschläfern, gibt es nichts Besseres, als seine Hand zu halten und sachte der Reihe nach an jedem Finger zu ziehen und dabei zu sagen: "Ba, be, bi, bo, bu, bum!" oder ähnlichen Unsinn.
Bleiben diese Mittel erfolglos, so fehlt es wahrscheinlich an der nötigen Geduld und Ausdauer. Manchmal ist es bloß ein schlafloser Anfall, woraus dann leicht eine Gewohnheit entsteht. In diesem Fall wende man sich an den Arzt um einen Schlaftrunk, der diese Gewohnheit überwinde.
Niemand, dem die Gesundheit lieb ist, nehme selbstverordnete Arzneimittel. Man beobachte die Temperatur des Zimmers, sehe zu, daß das Bettzeug warm genug, jedoch nicht zu schwer sei; man lege sich jeden Abend ungefähr zur gleichen Zeit nieder, man tue sein möglichstes, um die Gedanken zu bannen, und so wird sich jegliche Art Schlaflosigkeit, außer der von Krankheit herrührenden mit obigen Mitteln bekämpfen lassen.
Immerhin soll man nicht vergessen, daß Eines sich nicht für alle schickt und daß man seine Natur und Anlagen berücksichtigen muß. Schließlich denke man, daß Schlaflosigkeit oft auch von einem hungrigen Magen herrührt und daß ein Glas warme Milch, ein Zwieback oder ein Stück Schokolade dann die gewünschte Wirkung haben.
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