In Deutschland gibt es immer mehr Allergiker und ihre medizinische Versorgung verschlechtert sich zunehmend. Dabei gibt es Möglichkeiten, Allergien zu lindern und so nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, sondern auch Folgekosten für die Krankenkassen zu mindern.
Dafür, dass immer weniger Menschen aktiv gegen ihre Allergie vorgehen, sind allerdings alle Verantwortlichen beteiligt. Patienten gehen weniger häufig wegen einer Allergie zum Arzt. Dieser informiert sie häufig nicht ausreichend über mögliche Behandlungsmöglichkeiten und ziehen sich außerdem zunehmend aus der Allergie-Impfung zurück. Verantwortlich dafür ist wiederum ein unattraktives Honorarsystem.
Dabei kann die Allergie-Impfung Folgekosten erheblich verringern. Rund die Hälfte aller Deutschen leidet mehr oder weniger stark an Heuschnupfen. Unbehandelt kann sich die Allergie so sehr verschlimmern, dass eine Asthma-Erkrankung folgt. Eine Hyposensibilisierung verhindert diese Entwicklung bei mehr als einem Drittel der Patienten. 20 Prozent der bereits an Asthma-Erkrankten benötigen nach der Behandlung weniger Medikamente und nur bei einem Drittel der Patienten bleibt die Behandlung völlig ohne positive Wirkung. Für die Therapie sind mehrere Behandlungen notwendig, bei der die Allergene in steigenden Dosen unter die Haut gespritzt werden.
Obwohl die Hyposensibilisierung als einzige wirksame Therapiemöglichkeit gilt, wird sie immer seltener angeboten und angewendet. Nur 7 % der Allergiker nutzen die Behandlung. Grund dafür ist häufig, dass Patienten gleich gegen mehrere Stoffe allergisch sind, bei der Therapie aber nur ein Allergen-Präparat genutzt wird. Allerdings hilft dieses eine Präparat häufig gleich gegen mehrere strukturell ähnliche Allergene. Neben der mangelnden Impfbereitschaft ist es jedoch auch das Angebot, dass eine flächendeckende Hyposensibilisierung der Patienten verhindert. So sank die Anzahl der Praxen, die die Behandlung anbieten, alleine zwischen 2007 und 2010 um ein Drittel. Der Allergologenverband macht dafür vor allem das Honorarsystem verantwortlich. Dadurch, dass „Allergologe“ keine Facharzt-Bezeichnung, sondern nur eine Zusatzbezeichnung ist, erstatten Krankenkassen auch kein zusätzliches Versorgungshonorar.
Dabei würde sich eine Hyposensibilisierung langfristig auch für die Krankenkassen lohnen: Während ein leichter Asthmatiker das Gesundheitssystem jährlich mit 1.670 Euro belastet, verursacht ein Patient mit schwerem Asthma mit 6.000 Euro mehr als dreimal so viel.
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