Humane Papillomaviren ausrotten – nicht in Deutschland!

Impfungen wirken auf zweierlei Arten: Zum einen schützen sie die geimpfte Person vor einer Erkrankung, zum anderen schützen sie – sofern ein hoher Anteil an Menschen geimpft ist – alle anderen vor der Erkrankung. Der Erreger wird nämlich über kurz oder lang ausgerottet. Das hat in der Vergangenheit mit vielen Krankheiten so gut funktioniert, dass Impfgegner keinen Grund mehr dafür sehen, sich und ihre Kinder impfen zu lassen, was das Risiko für Epidemien wieder steigen lässt. Bei HPV denkt jedoch in Deutschland anscheinend kaum jemand über eine Impfung nach.

 

Humane Papilloma-Viren (HPV) verantwortlich für Zervixkarzinome und Genitalwarzen

Gebärmutterhalskrebs lässt sich zu einem hohen Prozentsatz auf eine Infektion durch HPV zurückführen. Hierfür sind zu 70 % die Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 verantwortlich. Die HPV-Typen 6 und 11 sind verantwortlich für die Entstehung von Genitalwarzen. Bei bis zu 70 % der HPV-Erkrankung des Gebärmutterhalses ist der Partner ebenfalls Träger von HP-Viren. Das heißt also, dass Männer das Virus unbemerkt übertragen können. Doch auch sie können betroffen sein: Anal-, Penis- und Darmkrebs sind drei weitere Krebsarten, die teilweise auf das Virus zurückgeführt werden können.

 

Impfunlust in Deutschland

2006 wurde ein Impfstoff entwickelt, der einen Impfschutz genau für diese Viren bietet und zufällig auch unerwartet gegen andere Typen hilft. Der Nobel-Gesellschaft war dies 2008 der Nobelpreis für Medizin für Krebsforscher Harald zur Hausen wert, der die Grundlagen für den Impfstoff legte. Deutschland ist vom Ziel der vollständigen Durchimpfung jedoch weit entfernt. Hier ist kaum jemand gegen HP-Viren geimpft. Grund dafür ist auch die Angst vor großen Nebenwirkungen, die sich jedoch als unbegründet herausstellte: Ein Risiko für schwere Nebenwirkungen wurde nicht nur durch weltweit 120 Millionen durchgeführte Impfungen wiederlegt, sondern auch durch eine kürzlich veröffentlichte groß angelegte Studie von Lisen Arnheim-Dahlström, bei der eine halbe Million britische Probanden nicht von schweren Nebenwirkungen berichteten. In Deutschland wird trotz der schlagenden Argumente jedoch nur ein Drittel der Mädchen unter 16 geimpft. Warum das so ist, ist schwierig zu erklären.

vor 6 Jahren

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